KEINE ÜBERGANGSFRIST BEIM RECHTSANSPRUCH AUF EINEN KITA-PLATZ

KiTaGAVO

Die Stadtverwaltung Bad Dürkheim bekräftigt ihr Engagement für eine bedarfsgerechte Kitabetreuung, wie DIE RHEINPFALZ in ihrem Artikel „Noch freie Plätze fürs neue Kita-Jahr“ vom 24. April 2024 berichtete.

Obwohl der Platzbedarf für das kommende Kita-Jahr laut dem im Sozialausschuss vorgestellten Kita-Bedarfsplan gedeckt werden kann, wird leider von Seiten der Stadtverwaltung erneut nicht deutlich gemacht, dass der Rechtsanspruch auf eine siebenstündige durchgängige Betreuung inklusive warmem Mittagessen im Innenstadtbereich weiterhin nicht flächendeckend erfüllt werden kann. „Hier ist die Verwaltung in der Mangelverwaltung, da noch rund 15% der vorhandenen Plätze in kommunaler Trägerschaft für Kinder im Alter zwischen 2 und 6 Jahren nicht den Rechtsanspruch erfüllen“, erläutert der Vorsitzende des Kreiselternausschuss Bad Dürkheim (KEA DÜW) Gordon Amuser.

Wie die Stadtverwaltung aufzeigt, bietet die mögliche Erweiterung der Betriebserlaubnis der Kita Schatzkiste zwar einen gewissen Puffer bei den Kita-Plätzen für unerwartete Bedarfe, jedoch wird die Platzerweiterung von Seiten des KEA DÜW kritisch gesehen. Im Rahmen des akuten Fachkräftemangels durch die Rahmenbedingungen im Kita-System, ist die Betreuung von mehr Kindern in einer räumlich limitierten Einrichtung das falsche Zeichen. „Weil dies vielerorts die jahrelange gängige Trägerpraxis war, ist das Kita-System auch zum Teil an sein Limit geraten. Investitionen, die bereits vor dem Inkrafttreten des neuen Kitagesetzes (KiTaG) zum 1. Juli 2021 notwendig waren, wurden schlichtweg nicht angegangen“, so die stellvertretende Vorsitzende des KEA DÜW Jennifer Thierfelder.

Die Stadt Bad Dürkheim ist im Vergleich zu anderen kommunalen Trägern im Landkreis zwar besser aufgestellt, jedoch möchte der KEA DÜW betonen, dass der Blick auf die reine Platzanzahl die Realität um die Kita-Situation nicht korrekt darstellt.
Die Stadtverwaltung unterstreicht das Bestreben, die Betreuungssicherheit für Familien zu gewährleisten, was auch vom KEA DÜW deutlich wahrgenommen wird. Das Elterngremium möchte jedoch klarstellen, dass die in dem Artikel von Seiten der Verwaltung genannte Übergangsfrist bis 2026 sich nicht auf den Rechtsanspruch bezieht. „Eine Übergangsfrist für den Rechtsanspruch auf eine durchgängige siebenstündige Betreuung inklusive Mittagessen gibt es schlichtweg nicht. Dieser gilt seit Inkrafttreten des KiTaG für alle Familien. Bis 2028 und nicht wie angegeben bis 2026 stellt sich lediglich die Frage, ob das Mittagessen warm oder kalt in Form von Lunchpaketen angeboten wird“, betont Amuser.

Um den Rechtsanspruch flächendeckend zu erfüllen, sind Baumaßnahmen erforderlich, die jedoch seit Jahren aufgrund von Planungsunsicherheiten bei den Betreuungsbedarfen der Familien von der Stadtverwaltung nicht angegangen werden. Die Umsetzung dieser Maßnahmen innerhalb eines üblichen Planungshorizonts von 3 bis 5 Jahren stellt eine Herausforderung dar, die nun unbedingt zeitnah angegangen werden muss, da sonst selbst die Übergangsfrist für das warme Mittagessen verstreicht. Gerade da man sich bei den rechtsanspruchserfüllenden Kita-Plätzen in der Mangelverwaltung befindet, muss gehandelt werden. „Vor dem Hintergrund der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung ist der Rechtsanspruch aus dem KiTaG keine Handlungsempfehlung, sondern Teil der kommunalen Pflichtaufgabe Kita“, schließt Amuser ab.

TRÄGERQUALITÄT GLEICH TRÄGERVERANTWORTUNG

Quality wins

Das Kita-System ist komplex – rechtlich sowie inhaltlich. Eine Kita zu führen ist kein Selbstläufer. Auch wenn eine engagierte Leitung und ein motiviertes Team einen großen Einfluss haben, ist der Träger der entscheidende Faktor, wenn es um die Qualität einer Kita geht. Professionelle Trägerstrukturen sind in vielerlei Hinsicht erforderlich, um einen funktionierenden Betrieb zu ermöglichen. Dabei sind viele unterschiedliche Themengebiete von enormer Bedeutung. Hierzu zählen z.B.:

  • Pädagogische Konzeption
  • Personalmanagement
  • Ausbildung
  • Finanzierung
  • Qualitätsmanagement
  • Betriebserlaubnis
  • Bedarfsplanung
  • Gesetzliche und rechtliche Vorgaben
  • Sicherheit & Arbeitsschutz
  • Gebäudemanagement
  • Kindeswohl
  • Aufsichtspflicht
  • Weiterqualifizierung (eigene sowie des Personal)
  • Elternmitwirkung
  • uvm.

Die Vielfalt und Komplexität dieser Themen stellt Kita-Träger vor große Herausforderungen. Einige Träger, insbesondere kommunaler Kitas (in der Regel ehrenamtliche Bürgermeister), fühlen sich durch diese große Verantwortung teilweise zurecht überfordert.

Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. hat in seiner jüngsten Veröffentlichung nun konkrete Empfehlungen zum Thema Trägerqualität formuliert, die den Verantwortlichen als Hilfestellung dienen soll. Die Empfehlungen richten sich in erster Linie an Träger von Kindertageseinrichtungen und ihre geschäftsführenden, verantwortlichen Personen und Gremien, Fachberatungen und verantwortliche Geschäftsbereiche, Kita-Leitungen, Verbände der Freien Wohlfahrtspflege und der Kommunen (Bürgermeister oder Kommunalverwaltungen, Jugendämter) sowie an die Vertreter der mit diesem Thema befassten Bundes- und Länderministerien und ihrer Behörden. Aber auch für Elternvertretungen lohnt es sich mit dem Thema zu befassen und sich Kenntnis darüber anzueignen, was die Aufgaben eines Kita-Trägers sind und wie diese konkret ausgestaltet sein können.

Aus Sicht der Elternvertretungen ist aufgrund der sehr hohen Anforderungen an Kita-Träger der Aufbau einer professionellen Trägerorganisation der kommunalen Kitas in Zweckverbänden oder auf Ebene der Verbandsgemeinden empfehlenswert!

Über folgenden Button geht es zu den Empfehlungen der Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität von Kita-Trägern des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V.

KITAS BLEIBEN AM TAG NACH DER KOMMUNALWAHL GEÖFFNET

Lösung

Wie DIE RHEINPFALZ in ihrem Artikel vom 10. April 2024 berichtete (zum Artikel), bleiben entgegen der ursprünglichen Planung der Verbandsgemeinde am Montag nach den Kommunalwahlen die Kitas in kommunaler Trägerschaft doch geöffnet.

Wir möchten von Seiten des Vorstandes des Kreiselternausschusses den Elternausschüssen der VG Freinsheim unsere aufrichtige Anerkennung für Ihren positiven Einsatz und Ihr Engagement bezüglich der Öffnung der Kindertagesstätten in der Verbandsgemeinde Freinsheim aussprechen. Die Entscheidung, die Kitas am 10. Juni geöffnet zu lassen, ist zweifellos eine Erleichterung für viele Eltern und zeigt das erfolgreiche Ergebnis der gemeinsamen Anstrengungen.

Es ist bemerkenswert, wie die Eltern es geschafft haben, durch ihren Aufruf in der Elternschaft als ehrenamtliche Helfer bei der anstehenden Kommunalwahl zu fungieren sowie ihrer Beharrlichkeit, dass von einem Einsatz des pädagogischen Fachkräfte bei der Auszählung am Wahlsonntag von Seiten der VG Freinsheim Abstand genommen wurde. Dies zeigt nicht nur die Wichtigkeit eines demokratischen Wahlprozesses auf, sondern auch die Bedeutung von bürgerschaftlichem Engagement. Es unterstreicht aber ebenso das Verständnis und den Willen der Verantwortlichen der Verbandsgemeinde, hier einen Schritt auf die Eltern zu machen und eine gute Lösung für die Familien zu finden.

Die Tatsache, dass sich die Eltern in der Verbandsgemeinde extra einen freien Tag hätten nehmen müssen, wenn die Kitas geschlossen geblieben wären, verdeutlicht die Bedeutung dieser Entscheidung für die betroffenen Familien. Ihre Bemühungen haben somit nicht nur dazu beigetragen, den Wahlprozess reibungsloser zu gestalten, sondern auch eine immense Erleichterung für viele Eltern geschaffen.

Wir möchten uns deshalb an dieser Stelle als Kreiselternausschuss bei den Eltern und der Verwaltung der Verbandsgemeinde für das Engagement zur Findung einer Lösung im Sinne unserer Kinder bedanken.

Dies ist für den KEA DÜW auf jeden Fall ein Best Practice Beispiel, wie durch Kommunikation und gemeinsame Überlegungen zielführende Lösungen im Sinne aller Beteiligten gefunden werden können.

WIR SUCHEN BEST PRACITCE BEISPIELE

Best Practice

Im Zuge unserer „Umfrage zum Stimmungsbild in den Kitas des Landkreises“ haben wir viel über Missstände und Probleme erfahren.

Erfreulicherweise läuft es aber nicht in allen Einrichtungen ausschließlich schlecht. In unseren diversen Austauschen mit Euch als Eltern und Elternvertretern sowie Trägern haben wir von einigen guten Ansatzpunkte erfahren.

Diese Best Practice Beispiele möchten wir sammeln und anschließend mit Euch teilen. Uns interessiert z.B., was in eurer Einrichtung unternommen wird, um dem Fachkräftemangel oder dem Ausfall pädagogischer Angebote entgegenzuwirken. Habt ihr einen guten Maßnahmenplan? Und wie wurde dieser erstellt? Können die Bedarfe der Eltern erfüllt werden? Und wie gestaltet sich bei euch die jährliche Bedarfsabfrage zu den Betreuungszeiten?

Aber auch andere Themen, die aus Eurer Sicht in Eurer Kita besonders gut laufen, interessieren uns sehr.

Über eure Einsendungen an kontakt@kea-duew.de freuen wir uns und berichten in einem unserer nächsten Newsletter.

TREFFEN MIT DEN TRÄGERVERANTWORTLICHEN DER VG FREINSHEIM

Gespräch

Bei einem Treffen am 11.03.24 mit dem zuständigen Fachbereichsleiter der VG Freinsheim, Herrn Schäfer sowie der Ersten Beigeordneten Frau Schanzenbächer und dem Kreiselternausschuss Bad Dürkheim (KEA) wurden aktuell dringende  Themen besprochen.

Ziel seitens des KEA war es, die aus der Umfrage zum Stimmungsbild in den Kitas des Landkreises angefallenen Fragestellungen und Probleme offen darzulegen und Lösungsansätze mit den VG-Verantwortlichen als Träger zu erarbeiten.

Einige Kritikpunkte aus der Umfrage, wie bspw. die mangelnde Kommunikation zwischen dem Träger und den Eltern konnten von den Verantwortlichen der VG Freinsheim nachvollziehbar beantwortet werden. So wurde der regelmäßige Austausch mit den Elternausschüssen und dem zweimal im Jahr stattfindenden Gesamtelternausschuss aller Elternausschüsse der Verbandsgemeinde hervorgehoben. Auch eine Informations-App für die Eltern wurde vorgestellt. Dieses Kommunikationsmittel hilft, die wichtigsten Infos schnell an die Eltern zu übermitteln.

Ebenso als positiv zu bewerten, ist das jährliche Budget, das den Fachkräften für Fortbildungen zur Verfügung gestellt wird. Der Wermutstropfen ist aber, dass Seminare o.ä. zu dem bestehenden Arbeitsaufwand hinzukommen, und es keinen Ersatz hierfür gibt. In der Praxis bedeutet das, dass meist auf Online-Fortbildungen zurückgegriffen werden muss, die nach der Arbeitszeit, meist Abends erfolgen.

Der Hauptkritikpunkt, welcher auch der Umfrage zu entnehmen ist,  sind aber die aktuell stark eingeschränkten Betreuungszeiten. Als Gründe hierfür nannten die Verantwortlichen den aktuell vorherrschenden Fachkräftemangel sowie einen hohen und konstanten Krankenstand der Fachkräfte in den jeweiligen Einrichtungen.

Viele Eltern wünschen sich hier zumindest eine bessere Planbarkeit der Betreuung ihrer Kinder, um Familie und Beruf bestmöglich vereinbaren zu können. Es wurde versichert, in Zukunft im Hinblick auf die Planbarkeit verlässlichere Informationen zu liefern. Auch wurde zugesichert, dass Ausfälle und/oder Einschränkungen gerade in Verbindung mit dem Maßnahmenplan in Zukunft besser und intensiver kommuniziert werden. Wird doch in den Kitas bereits viel unternommen, was bspw. Überstunden von Teilzeitkräften, Reaktivierung von im Ruhestand befindlichen Kräften usw. angeht. Hier ist insbesondere  auch das Engagement der Fachkräfte zur Entlastung der Kinder und Familien hervorzuheben.

Angesprochene Fachkräfte aus der Arbeitnehmerüberlassung, welche in den Einrichtungen der Verbandsgemeinde Freinsheim eingesetzt werden, sind in der aktuellen Situation nur ein Lösungsansatz, der verfolgt wird. Stellenanzeigen bspw. in Online-Jobportalen haben sich als nicht hilfreich erwiesen. Man sucht auf vielen Kanälen, wurde uns als KEA anschaulich dargestellt.

Der KEA bedankt sich für das aufschlussreiche Gespräch und den offenen Informationsaustausch. Es konnten im Rahmen des Austausch einige positive Maßnahmen zur Verbesserung der aktuellen Situation in den Kitas der VG Freinsheim, bspw. kreative Ansätze bei der Personalbeschaffung oder bei der Zusammenarbeit sowie Kommunikation mit den Elternausschüssen, aufgezeigt werden, die durchaus auch als Best Practice Beispiel dienen können. Für die Zukunft bleibt zu wünschen, dass es bei diesem guten Austausch zwischen Eltern, Elternausschüssen und uns als Kreiselternausschuss bleibt.